DIE LINKE. 


26. Februar 2010 DerWesten.de

Linke protestiert gegen Casting der US-Armee in Düsseldorf

Düsseldorf, 26.02.2010, Corinna Weiß

Essen. Die US-Armee sucht Statisten für ein simuliertes Schlachtfeld. Für Sonntag bittet sie im Intercity-Hotel in Düsseldorf zu einem Casting, die Auserwählten sollen ab Mai 2010 die „Zivilbevölkerung in Krisengebieten“ darstellen. Die Linke NRW will ab 9 Uhr vor dem Hotel dagegen protestieren.

Vor ein paar Jahren haben die „Zivilisten auf dem Schlachtfeld“ („Civillians on the Battlefield“) schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Die US-Armee hatte in Castings 600 Araber gesucht, die in einem Mini-Irak mitten in Bayern aufs simulierte Schlachtfeld geschickt wurden. Nun startet eine neue Casting-Reihe: Am kommenden Sonntag sucht die US-Armee ab 9 Uhr im Intercity-Hotel in Düsseldorf „Statisten als Darsteller der Zivilbevölkerung in Krisengebieten“. Im Mittelpunkt steht dieses Mal Afghanistan.

Erreicht werden solle ein „realitätsnahes Übungsszenario für die Soldaten“ der US-Armee sowie eine „optimale Vorbereitung für deren Auslandsmissionen“, heißt es auf der Internetseite des Veranstalters Optronic. Die Linke NRW, unter anderem die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht, gibt sich fassungslos: Zwei Tage nach der Verlängerung des ISAF-Mandats durch die Bundestags-Mehrheit solle mitten in Düsseldorf gecastet werden, um weitere Kriegseinsätze gegen die afghanische Zivilbevölkerung durchspielen zu können. Daher ruft die Partei ebenfalls ab 9 Uhr zum Protest vor dem Hotel an der Graf-Adolf-Straße auf.

Wie die simulierten Einsätze funktionieren

Wie die Casting-Agentur mitteilt, finden die simulierten Einsätze ab Mai 2010 für jeweils drei Wochen durchgehend auf dem Truppenübungs-Gelände Hohenfels statt. Die Teilnehmer sollen kleine Statistenrollen übernehmen, wie Viehzüchter, Ladenbesitzer oder den Bürgermeister eines afghanischen Dorfs, der „hin und wieder auch mit den anwesenden U.S.-Streitkräften vermittelt und verhandelt“. Bis zu zehn Dörfer seien auf dem Übungsgelände angelegt, mit jeweils 10 bis 30 Häusern.

Es solle ein realistisches Dorfleben entstehen, die Zivilisten würden mit Infrarot-Detektoren ausgestattet. „Über Sender auf den Gewehren der Soldaten kann so festgestellt werden, ob in der Realität Zivilisten zu Schaden gekommen wären“, heißt es auf der Internetseite weiter. Statisten mit guten Englisch- und Deutschkenntnissen bekommen 90 Euro pro Tag, bei 24-Stunden-Bereitschaft sind es 100 Euro.

Allein im Jahr 2009 habe es in Afghanistan 2140 zivile Opfer gegeben, darunter 346 Kinder, schreibt das Wahlkreisbüro von Sahra Wagenknecht – und kündigt an: „Die Linke sagt Nein zum Krieg gegen die afghanische Zivilbevölkerung. Das werden wir am Sonntag vor dem Intercity-Hotel erneut deutlich machen.“

Quelle: http://www.die-linke-duesseldorf.de/nc/presse/detail/artikel/linke-protestiert-gegen-casting-der-us-armee-in-duesseldorf/