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AG Umwelt

Das Rad in der Revolte

Funktioniert ziviler Ungehorsam etwa auch im Rahmen des Gesetzes? Dies ist in Bezug auf die düsseldorfer critical mass eindeutig mit einem "Das weiß keiner so ganz genau" zu beantworten.

Am Freitag den 13.07. wurde der monatliche Protestzug der mittlerweile gut 200 Teilnehmer*Innen zählenden düsseldorfer critical mass von eher vage über die Rechtslage informierten Polizist*Innen aufgehalten und schikaniert. Mitglieder der AGUmwelt nahmen erstmalig an der Protestfahrt teil und berichten.

 

Zunächst einmal ist die critical mass eine international angewendete Form des Protests in dem sich Gruppen von Radfahrer*Innen scheinbar spontan und unorganisiert zu einer mass formieren, um ihre Rechte in einer flashmobesken Weise zu erkämpfen. Das Kritische an dieser mass ist nicht nur der Widerstand gegen den die Städte beherrschenden PWK-Individualverkehr, sondern auch der kritische Punkt, der ab 16 Radfahrenden laut § 27 StVO erreicht ist, um einen geschlossenen Verband zu bilden. Dieser zeichnet sich wiederum dadurch aus, dass es in ihm erlaubt ist nebeneinander auf einer Fahrbahn zu fahren, somit keinen PKW-Verkehr auf seiner Spur vorbeilassen zu müssen, und als Verband eine Ampel zu passieren, selbst wenn diese währenddessen auf Rot schaltet.

Sich auf dieses Recht berufend, versucht die critical mass ein Bewusstsein für die Rechte von Radfahrer*Innen, vor allem aber für den Radverkehr an sich als sinnvolle Option für den innerstädtischen Verkehr zu schaffen. Die gemeinhin eher unbekannten Paragraphen der StVO bieten für diese Protestform also einen rechtlichen Rahmen, welcher eine Aufmerksamkeit für den Protest quasi garantiert. (Zur Onlinepräsenz der D'dorfer critical mass geht es hier.)

Nun ist die critical mass jedoch mittlerweile so verbreitet und akzeptiert, dass sogar im Veranstaltungskalender der Stadt Düsseldorf auf sie verwiesen wird. Der schwüle Hauch des Bürgerlichen droht den Protest somit zu entwerten und ihn als hippe Freizeitbeschäftigung zu verklären! Dank sei der Düsseldorfer Polizei, dass sie eine solche Verrohung der edlen Motive scheinbar nicht hinnehmen mag und die critical mass nicht in Versuchung führt, zur Spazierfahrt zu mutieren.

Diese stoppte nämlich den bis dahin recht problemlos durch die Innenstadt fahrenden Radlerzug und hinderte uns gut eine halbe Stunde an der Kreuzung Berliner Allee/Hüttenstraße an der Weiterfahrt, drohte mit Anzeigen und suchte sich letztlich zwei vermeintlich Verantwortliche heraus, deren Personalien aufgenommen wurden. Die Teilnehmer*Innen der critical mass versuchten vergeblich die Beamt*Innen über die rechtlichen Grundlagen aufzuklären, während die Beamtin in Hörweite des Autors lediglich dazu sagen konnte, dass Sie davon zum ersten mal höre, und sich so etwas auch nicht vorstellen könne. Interessant war auch das Statement, dass es die Autofahrer einen "Scheißdreck interessiert, ob Sie das dürfen", da hier doch die Frage bleibt, warum in diesem Falle die Gruppe der Radfahrer aufgehalten werden solle und nicht die motorisierten Verkehrsteilnehmer, welche in diesem Falle ja offensichtlich das Recht ignorieren.

Nach einer halben Stunde polizeiinduzierten Stillstands, der die Kreuzung dank quer parkendem Einsatzbus besser lahmlegte als jede critical mass das vermag, erhielten die Polizist*Innen letztlich die Zusage von ihren Fachgebietsleitern, dass wir uns tatsächlich im rechtlichen Rahmen bewegten, und es konnte weitergehen. Unser Ziel war es ja nicht die Kolleg*Innen der Polizei von ihrer rechtschaffenen Arbeit abzuhalten, doch wenn derer Aufmerksamkeitspriorität einem Verband radelnder Mitbürger gilt, kann man sich dem kaum erwehren. In einer leicht trotzigen Reaktion folgte uns der Einsatzwagen allerdings noch eine Zeit lang mit Martinshorn und Blaulicht durch die Straßen, bis wohl die einlullende Repetition hunderter friedlich revoltierender Räder die Beamt*Innen dazu brachte sich sinnvollerem zuzuwenden.

Nach der Tour beschwerten sich die Aktivist*Innen über diese Form der Schikane in einem offenen Brief an OB Thomas Geisel. Die Kritik gilt den Vorgesetzten der Polizist*Innen, welche bei dieser stadtbekannten Aktion ihre Untergebenen besser über die Rechtslage informieren sollten.

Von dieser Episode abgesehen war die critcal mass ein zur Wiederholung einladendes Erlebnis. Protest in familiärer Gesellschaft freundlichster Radler, eher irritierte als aggressive PKW-Fahrer, denen man in Anflügen solidarischer Wissensvermittlung Passagen aus der StVO zuruft und dazu die Düsseldorfer Abendsonne im Gesicht – ich empfehle jeder Interessierten mal vorbeizuschauen. Jeder zweite Freitag im Monat um 19:00 am Fürstenplatz. Der nächste Termin ist der 10.08.

Die Düsseldorfer critical mass unterstützt, wie auch die AGUmwelt, die Volksinitiative Aufbruch Fahrrad, und sammelt bei jedem Treffen Unterschriften.


Kontakt

Die LINKE Düsseldorf AG Umwelt

Jeden 2. Sonntag im Monat um 13:00 -> Corneliusstraße 108

ag-umwelt-dielinkeduesseldorf@googlegroups.com