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Foto: Mara Tröger

RP Portrait über unseren OB Kandidaten Udo Bonn

Udo Bonn hat keinen Doktortitel wie Stephan Keller (CDU) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Er war nie Wirtschaftsmanager wie der aktuelle Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) und er ist auch kein Landtagsabgeordneter wie Stefan Engstfeld (Grüne). Anders als die Konkurrenz im Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters „komme ich aus der Arbeiterklasse, bin ihr auch immer treu geblieben, hier habe ich zu kämpfen gelernt“, sagt Udo Bonn. Wie er sich als ehemaliger Maschinenschlosser außerdem von den anderen Kandidaten unterscheidet, erklärt er an einem Beispiel: „Wenn ich höre, dass die Karstadt-Kaufhof-Filialen schließen sollen, interessiere ich mich als erstes dafür, was mit den Menschen, den Mitarbeitern passiert. Von anderen hört man zunächst, dass die Schadowstraße nicht sterben darf.“

Udo Bonn ist 66 Jahre alt, im beruflichen Ruhestand und tritt bei der Kommunalwahl am 13. September für die Linke als Oberbürgermeister-Kandidat an. Der Sohn eines treuen CDU-Wählers wurde in Stommeln bei Pulheim geboren, katholisch erzogen, war Messdiener und Kriegsdienstverweigerer. „Mein Vater hatte als Katholik eine antimilitaristische Haltung und mich unterstützt, lieber den Zivildienst zu machen“, erzählt Udo Bonn. Die CDU wurde trotz des Vaters nicht seine Partei. Er sei vom Pariser Mai 1968 und vom Putsch in Chile 1973 geprägt worden, weswegen er sich seither auf der linken politischen Seite sieht.

Bis 1996 hat Udo Bonn in Köln gelebt, ehe er der Liebe wegen nach Düsseldorf zog, aber weiter in der Domstadt arbeitete. „Der Spott war mir sicher“, sagt der Linke, der sich trotz der spaßigen Sprüche stets für seine Kollegen einsetzte. Als Betriebsrat und Gewerkschaftler versuchte er bei Verhandlungen mit betrieblichen Aktionen immer bis an die Grenze gehend das Maximum herauszuholen. „Ich habe nicht Politik für die Kollegen gemacht, sondern mit den Kollegen. Das hat mich glücklich gemacht und dass die Kollegen mich wegen meines Umzugs bei der nächsten Betriebsratswahl nicht noch einmal wählen wollten, war natürlich nicht ernst gemeint.“

Mit seiner Frau lebt der 66-Jährige in Pempelfort. Rund 30 Jahre hat Udo Bonn geboxt, noch immer geht er mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio, um sich fit zu halten – auch für den Wahlkampf: „Ich bin kein Theoretiker. Man muss nicht nur reden, sondern auch machen, um etwas zu verändern.“ Dass er die OB-Wahl als Linker in Düsseldorf höchstwahrscheinlich nicht gewinnen wird – „wenn wir sieben bis acht Prozent erreichen, wäre das ein gutes Ergebnis“ – ist ihm bewusst. Dies hält den ehemaligen Hobbyboxer aber nicht davon ab, gegen die Konkurrenz auszuteilen.

Udo Bonn kritisiert die Alleingänge von OB Geisel – „die schaden auch der SPD“ – genauso wie die Verkehrs- und Wohnungspolitik des Ampel-Bündnisses aus SPD, FDP und Grünen. Dass es Geisel in sechs Jahren nur einmal geschafft habe, für mehr neue preisgedämpfte Wohnungen zu sorgen als Wohnungen aus der Preisbindung herausgefallen sind, sei ein schlechtes Ergebnis: „Ich bin dafür, dass die Stadt selber preiswerten Wohnungsbau betreibt.“ Auch die Entwicklung der Stadtteile kritisiert er: „Gefühlt tut sich nur etwas auf dem Prachtboulevard von der Schadowstraße bis zum Rheinufer.“

Die jetzigen Ideen zur Verkehrswende der SPD findet Udo Bonn „super“. Er bleibt aber misstrauisch, denn die Ampel habe in ihrer Amtszeit diesbezüglich viel zu wenig unternommen: „Wenn man erst auf die Drohung der Bezirksregierung auf Dieselfahrverbote mit Umweltspuren reagiert, ist das keine Art und Weise, ökologische Politik zu machen. In einem Jahr lassen sich die Probleme nicht reparieren.“

Um die Klimaziele zu erreichen, hält es der 66-Jährige aber generell für richtig, „dass der motorisierte Individualverkehr drastisch reduziert wird“. Der Ausbau des Hauptradnetzes – „Geld ist dafür vorhanden, aber auch hier wurde von der Ampel viel zu wenig getan; es sind von 300 geplanten neuen Radwegen nur 27 Kilometer gebaut worden“ – sowie eine schnellere Taktung und andere Preisgestaltung der Rheinbahn sollen Anreize für den Umstieg sein. Mit einer 30-Euro-Mobilitätsflatrate für Bus, Bahn, Leihräder und anderen Sharingangeboten und einem Zehn-Euro-Sozialticket möchte er die Verkehrswende voranbringen. „Für ein besseres Klima kann man noch viel mehr machen, zum Beispiel große Parkplätze entasphaltieren, damit das Regenwasser besser versickert und es grüner wird“, sagt der Linke.

Wenn Udo Bonn auf die Zeit nach der Wahl schaut, wünscht er sich, dass nicht mehr vier, sondern sechs Linke im Stadtrat sitzen. Dafür will er sich im Wahlkampf einsetzen, mit seiner ganz eigenen Art: „Ich weiß auch, wie man auf die Bedürfnisse der einfachen Menschen eingeht. Für sie mache ich Politik.“ Auch das ist ein Punkt, bei dem Udo Bonn glaubt, sich von den anderen OB-Kandidaten zu unterscheiden.